
Müde, kraftlos, vergesslich?
Warum eine Eiseninfusion dein Leben verändern könnte
Als Frau in den Wechseljahren kennst du das wahrscheinlich: Diese bleierne Müdigkeit, die sich durch keinen Kaffee der Welt vertreiben lässt. Die Haare, die dünner werden. Die Kälte, die dir bis in die Knochen kriecht. Oft wird alles den Hormonen zugeschrieben – aber dahinter kann auch ein hartnäckiger Eisenmangel stecken, der dein Leben zur Qual macht.
Warum Eisenmangel in den Wechseljahren so tückisch ist
In der Perimenopause kämpfst du oft mit sintflutartigen, unregelmäßigen Blutungen, die deine Eisenreserven regelrecht ausbluten lassen. Eine einzige starke Blutung kann dir so viel Eisen rauben, wie du in Monaten aufbauen konntest. Gleichzeitig produziert dein Körper weniger Magensäure – das Tor für die Eisenaufnahme schließt sich langsam.
Der sinkende Östrogenspiegel macht alles noch schlimmer. Östrogen unterstützt nämlich die Eisenaufnahme im Darm und beeinflusst das Protein Hepcidin, das den Eisenstoffwechsel reguliert. Weniger Östrogen bedeutet schlechtere Eisenverwertung.
Nach der Menopause denkst du vielleicht, das Problem sei gelöst – schließlich blutest du nicht mehr. Aber die jahrelange Entleerung deiner Eisenspeicher braucht Zeit zum Auffüllen. Viele Frauen bleiben deshalb auch Jahre nach der letzten Blutung eisendefizitär, ohne es zu merken.
Wenn Eisentabletten versagen: Der Weg zur Infusion
Du hast vermutlich schon die üblichen Verdächtigen probiert: Eisentabletten, die dir Verstopfung machen. Eisentropfen, die deine Zähne schwarz färben. Eisensaft, der schmeckt wie rostiges Wasser. Vielleicht helfen sie ein bisschen, aber der durchschlagende Erfolg bleibt aus.
Das liegt oft daran, dass dein Darm das Eisen einfach nicht richtig aufnehmen kann. Protonenpumpenhemmer, Darmdysbiosen, chronische Entzündungen oder einfach der natürliche Alterungsprozess – viele Faktoren können die Eisenaufnahme sabotieren.
Hier kommen Eiseninfusionen ins Spiel: ein direkter Weg zu deinen Zellen, der den problematischen Darm komplett umgeht.
So wirken Eiseninfusionen in deinem Körper
Bei einer Eiseninfusion bekommt dein Körper das Eisen direkt über die Vene. Das Eisen liegt dabei in speziellen Komplexen vor, die es langsam und kontrolliert an deine Zellen abgeben. Stell dir vor, es ist wie ein Langzeit-Depotpräparat, das wochen- und monatelang wirkt.
Das Eisen wird zunächst von Makrophagen (Fresszellen) aufgenommen und dann bedarfsgerecht an Knochenmark, Leber und andere Organe weitergegeben. Innerhalb von 2-4 Wochen können sich deine Eisenspeicher wieder füllen – ein Prozess, der mit Tabletten 6-12 Monate dauern würde.
Diese Symptome können sich dramatisch verbessern
Chronische Erschöpfung und Energiemangel Das ist oft das erste, was sich bessert. Deine Zellen bekommen wieder genug Sauerstoff, die Mitochondrien (deine Zellkraftwerke) können wieder richtig arbeiten. Viele Frauen berichten, dass sie nach Jahren wieder das Gefühl haben, „richtig wach“ zu sein.
Brain Fog und Konzentrationsstörungen Eisenmangel kann deine kognitiven Fähigkeiten massiv beeinträchtigen. Das Gehirn braucht etwa 20% deines gesamten Sauerstoffs – bei Eisenmangel ist es chronisch unterversorgt. Nach einer erfolgreichen Infusion berichten viele Frauen, dass sie wieder „klar denken“ können.
Haarausfall und brüchige Nägel Eisenmangel ist eine der häufigsten, aber oft übersehenen Ursachen für Haarausfall in den Wechseljahren. Deine Haarfollikel sind wahre Eisenfresser – ohne ausreichend Eisen stellen sie einfach die Produktion ein.
Restless-Legs-Syndrom Unruhige Beine nachts können dich um den Schlaf bringen. Eisenmangel ist eine der Hauptursachen für RLS, und eine Eiseninfusion kann hier wahre Wunder wirken.
Depressive Verstimmungen und Reizbarkeit Eisen ist essentiell für die Bildung von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. Ein Mangel kann depressive Symptome verstärken oder sogar auslösen. Die Kombination aus Wechseljahreshormonen und Eisenmangel ist oft ein Rezept für emotionale Achterbahnfahrten.
Extreme Kälteempfindlichkeit Wenn du ständig frierst, obwohl andere nicht frieren, kann das an deinen leeren Eisenspeichern liegen. Eisen ist wichtig für die Schilddrüsenfunktion und die Wärmeregulation.
Herzklopfen und Luftnot Bei Eisenmangel muss dein Herz schneller schlagen, um den Sauerstoffmangel zu kompensieren. Das kann zu Herzklopfen, besonders bei Anstrengung, führen.
Die verschiedenen Eiseninfusions-Präparate: Was ist empfehlenswert?
Die Top-Empfehlungen (mit ärztlicher Verschreibung):
Ferinject (Eisencarboxymaltose) Das ist der Mercedes unter den Eiseninfusionen. Sehr gut verträglich, meist reicht eine einzige Infusion aus. Die Eisenfreisetzung ist langsam und kontrolliert, was das Risiko für Nebenwirkungen minimiert. Dosierung: meist 500-1000mg je nach Körpergewicht und Eisendefizit.
Monofer (Eisenisomaltoside) Extrem stabile Eisenverbindung mit sehr geringem Risiko für allergische Reaktionen. Kann in hohen Dosen (bis 20mg/kg Körpergewicht) gegeben werden. Besonders geeignet für Frauen mit Allergien oder Unverträglichkeiten.
Monoferric (Ferric Derisomaltose) Neueste Generation der Eiseninfusionen mit ausgezeichnetem Sicherheitsprofil. Ähnlich wie Monofer, aber etwas kostengünstiger.
Weniger empfehlenswerte Optionen:
Eisengluconat (Ferrlecit) Älteres Präparat mit höherem Risiko für Überempfindlichkeitsreaktionen. Erfordert meist mehrere Infusionen.
Eisensaccharose (Venofer) Muss in kleineren Dosen über mehrere Termine gegeben werden, was unpraktisch und teurer ist. Höhere Rate an Nebenwirkungen.
Eisendextran Nicht mehr empfohlen aufgrund hoher Anaphylaxie-Rate.
Laborwerte: Was du wissen musst
Eisenstatus richtig bewerten: Die wichtigsten Laborwerte im Überblick
Vor einer Eiseninfusion – diese Werte sind entscheidend:
Ferritin (Eisenspeicher)
Was es bedeutet: Ferritin ist ein Protein, das Eisen in deinem Körper speichert – hauptsächlich in Leber, Milz und Knochenmark. Es zeigt dir, wie gut deine Eisenreserven gefüllt sind.
- Klare Indikation: Unter 30 µg/L (Eisenspeicher praktisch leer)
- Grauzone: 30-100 µg/L (hier entscheiden Symptome und andere Parameter)
- Funktionell optimal: 50-100 µg/L
- Wichtig zu wissen: Ferritin steigt auch bei Entzündungen, Infekten oder Stress an – kann also einen Eisenmangel verschleiern!
Transferrinsättigung
Was es bedeutet: Transferrin ist das „Taxi“ für Eisen im Blut. Die Transferrinsättigung zeigt dir, wie voll dieses Taxi beladen ist – also wie viel Eisen gerade durch dein Blut transportiert wird.
- Eisenmangel: Unter 20% (das Taxi fährt fast leer)
- Optimal: 25-45% (gute Beladung)
- Über 45%: Kann auf Eisenüberladung hinweisen
Hämoglobin (Hb)
Was es bedeutet: Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff in deinen roten Blutkörperchen, der Sauerstoff von der Lunge zu allen Organen transportiert. Ohne genug Eisen kann dein Körper nicht ausreichend Hämoglobin bilden.
- Kann normal sein trotz Eisenmangel!
- Funktionell optimal: 130-150 g/L (Frauen)
- Wichtig: Sinkt erst bei schwerem, langanhaltendem Eisenmangel – ist also ein spätes Warnsignal
Löslicher Transferrinrezeptor (sTfR)
Was es bedeutet: Diese Rezeptoren sitzen auf Zellen, die Eisen brauchen. Wenn deine Zellen Eisenhunger haben, produzieren sie mehr davon und geben sie ins Blut ab. Ein erhöhter Wert schreit förmlich „Wir brauchen Eisen!“
- Der Goldstandard für Eisenmangel-Diagnostik
- Normal: 0,9-2,3 mg/L
- Erhöht: Bei echtem Eisenmangel (Zellen hungern nach Eisen)
- Vorteil: Lässt sich nicht von Entzündungen täuschen
CRP und BSG (Entzündungsmarker)
Was es bedeutet: CRP (C-reaktives Protein) und BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit) zeigen dir, ob in deinem Körper eine Entzündung läuft – sei es ein Infekt, eine Autoimmunerkrankung oder chronischer Stress.
- CRP optimal: Unter 1,0 mg/L
- BSG: Sollte im Normbereich sein
- Warum wichtig: Entzündungen blockieren die Eisenaufnahme und können Ferritin künstlich erhöhen
Zusätzliche wichtige Parameter:
Retikulozyten-Eisen
Was es bedeutet: Retikulozyten sind junge rote Blutkörperchen, die gerade im Knochenmark gebildet werden. Dieser Wert zeigt dir in Echtzeit, ob genug Eisen für die Produktion neuer roter Blutkörperchen zur Verfügung steht.
- Optimal: Über 20 pg
- Niedrig: Trotz eventuell normaler anderer Werte fehlt Eisen für die aktuelle Blutbildung
Hepcidin
Was es bedeutet: Hepcidin ist dein körpereigenes „Eisenhormon“. Es reguliert, wie viel Eisen aus dem Darm aufgenommen wird und aus den Speichern freigesetzt wird. Bei Entzündungen steigt es an und blockiert die Eisenaufnahme – eine Schutzreaktion des Körpers.
- Niedrig: Bei echtem Eisenmangel (Körper will mehr Eisen aufnehmen)
- Erhöht: Bei Entzündungen (Körper blockiert Eisenaufnahme)
Vitamin B12 und Folsäure
Was es bedeutet: Diese beiden Vitamine sind wie die „Bauhelfer“ bei der Bildung roter Blutkörperchen. Ohne sie kann selbst bei ausreichend Eisen keine gesunde Blutbildung stattfinden.
- B12 optimal: Über 400 pmol/L
- Folsäure optimal: Über 10 nmol/L
- Warum wichtig: Eisentherapie kann nur erfolgreich sein, wenn auch diese Bausteine vorhanden sind
Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4)
Was es bedeutet: Deine Schilddrüse steuert den gesamten Stoffwechsel – auch die Eisenverwertung. Eisenmangel kann die Schilddrüsenhormon-Produktion beeinträchtigen, umgekehrt kann eine Schilddrüsenunterfunktion Eisenmangel verstärken.
- TSH: 1-2,5 mU/L (funktionell optimal)
- fT3 und fT4: Obere Normbereichshälfte
- Warum messen: Nach Eisentherapie können sich diese Werte oft deutlich verbessern
Für dich als Frau in den Wechseljahren: Diese umfassende Diagnostik ist besonders wichtig, da die sinkenden Östrogenspiegel sowohl den Eisenstoffwechsel als auch Entzündungsprozesse beeinflussen. Nur mit allen Parametern zusammen erhältst du das komplette Bild und kannst echten Eisenmangel von hormonell oder entzündungsbedingten Eisenverwertungsstörungen unterscheiden.
Dosierung und Berechnung:
Praktische Dosierungen:
- Bei Körpergewicht 50-70kg: meist 500-1000mg
- Bei Körpergewicht über 70kg: 1000-1500mg
- Bei schwerem Mangel: bis 2000mg (aufgeteilt auf 2 Termine)
Nach der Infusion – Kontrollwerte:
- Nach 4-6 Wochen: Ferritin, Transferrinsättigung, Hämoglobin
- Ziel-Ferritin: 100-200 µg/l (nicht höher!)
- Transferrinsättigung: 20-45%
Autoimmunerkrankungen: Fluch oder Segen?
Wenn du eine Autoimmunerkrankung hast, wird das Thema Eiseninfusion deutlich komplexer. Hier musst du sehr differenziert vorgehen.
Die Risiken verstehen: Was du „füttern“ könntest
Pathogene Mikroorganismen Eisen ist Futter für Bakterien, Viren und Pilze. Bei Autoimmunerkrankungen hast du oft chronische, versteckte Infektionen:
- Helicobacter pylori (besonders häufig bei Hashimoto)
- Candida-Pilze im Darm
- Borrelien bei chronischer Borreliose
- Epstein-Barr-Virus (EBV)
- Bakterielle Dünndarmüberwucherung (SIBO)
- Chlamydien, Mykoplasmen und andere intrazelluläre Erreger
Autoimmune Entzündungsprozesse Eisen kann bestehende Entzündungen verstärken durch:
- Förderung von oxidativem Stress
- Aktivierung von Entzündungsmediatoren
- Verstärkung der Autoimmunreaktion
Spezifische Autoimmunerkrankungen: Wann hilfreich, wann gefährlich?
Hashimoto-Thyreoiditis: Das Dilemma
Wann hilfreich:
- Bei echtem Eisenmangel mit Ferritin unter 50 µg/l
- Wenn die Schilddrüsenwerte trotz optimaler Hormontherapie schlecht sind
- Bei ausgeprägter Müdigkeit und Haarausfall
- Wenn orale Eisenpräparate nicht vertragen werden
Wann gefährlich:
- Bei akuter Thyreoiditis oder hohen Antikörpern
- Bei gleichzeitiger H. pylori-Infektion
- Bei erhöhten Entzündungswerten
- Bei Ferritin über 100 µg/l (kann funktioneller Mangel bei Entzündung sein)
Vorgehen:
- Zuerst Antikörper stabilisieren (Selen, Vitamin D, Omega-3)
- H. pylori-Test und Behandlung
- Niedrigere Dosierung (500mg statt 1000mg)
- Engmaschige Kontrolle der Schilddrüsenwerte
Rheumatoide Arthritis: Komplexer Eisenstoffwechsel
Wann hilfreich:
- Bei echtem Eisenmangel (sTfR erhöht, Ferritin niedrig)
- Wenn die Krankheitsaktivität niedrig ist
- Bei ausgeprägter Anämie mit Hb unter 10 g/dl
Wann gefährlich:
- Bei hoher Krankheitsaktivität
- Bei Ferritin über 200 µg/l (Hinweis auf Eisenumverteilung durch Entzündung)
- Bei aktiven Gelenkentzündungen
Vorgehen:
- Krankheitsaktivität zuerst mit DMARDs kontrollieren
- Unterscheidung zwischen echtem Mangel und Anämie der chronischen Erkrankung
- Eventuell niedrig dosiert beginnen (300-500mg)
Multiple Sklerose: Eisen im Gehirn
Wann hilfreich:
- Bei schwerem Eisenmangel mit neurologischen Symptomen
- Bei ausgeprägter Fatigue ohne andere Ursache
- Wenn MRT keine aktive Krankheitsaktivität zeigt
Wann gefährlich:
- Bei aktiven MS-Schüben
- Bei Eisenablagerungen im Gehirn (spezielle MRT-Sequenzen)
- Bei rasch progredientem Verlauf
Vorgehen:
- Neurologische Beurteilung vor Infusion
- Antioxidantien-Schutz (Vitamin E, Selen, Glutathion)
- Niedrige Dosierung, langsame Infusion
Lupus: Systemische Entzündung
Wann hilfreich:
- Bei schwerem Eisenmangel und stabiler Erkrankung
- Wenn andere Ursachen der Anämie ausgeschlossen sind
Wann gefährlich:
- Bei Nierenbeteiligung
- Bei hoher Krankheitsaktivität
- Bei erhöhten Entzündungsmarkern
Vorgehen:
- Rheumatologische Freigabe einholen
- Nierenfunktion überwachen
- Sehr niedrige Dosierung
Morbus Crohn/Colitis ulcerosa: Darmproblematik
Wann hilfreich:
- Bei chronischen Blutverlusten
- Wenn orale Eisengabe den Darm reizt
- Bei schwerer Anämie
Wann gefährlich:
- Bei akutem Schub
- Bei aktiven Blutungen
- Bei bakterieller Überwucherung
Vorgehen:
- Schub-Freiheit abwarten
- Darmflora sanieren
- Eventuell Eisensaccharose in kleineren Dosen
Präparatspezifische Empfehlungen bei Autoimmunerkrankungen
Erste Wahl: Monofer
- Niedrigstes Anaphylaxie-Risiko
- Kann langsam infundiert werden
- Gute Verträglichkeit auch bei Allergikern
Zweite Wahl: Ferinject
- Bewährt und gut untersucht
- Schnelle Infusion möglich
- Etwas höheres Allergie-Risiko
Dritte Wahl: Monoferric
- Ähnlich wie Monofer
- Weniger Langzeitdaten
Vorbereitung und Durchführung: So läuft es ab
1-2 Wochen vor der Infusion:
- Ausführliche Labordiagnostik
- Bei Autoimmunerkrankungen: Krankheitsaktivität beurteilen
- Infektionsausschluss (Blutbild, CRP, eventuell Stuhlkultur)
- Antihistaminikum bei Allergie-Neigung
Am Tag der Infusion:
- Nüchtern ist nicht nötig
- Eventuell Antihistaminikum 1 Stunde vorher
- Testdosis bei Allergikern
- Langsame Infusion (15-60 Minuten je nach Präparat)
- Überwachung während und 30 Minuten nach Infusion
Infusionsgeschwindigkeit:
- Monofer: bis zu 20ml/Minute
- Ferinject: 100mg in 15 Minuten
- Bei Autoimmunerkrankungen: immer langsamer
Was dich erwarten kann: Nebenwirkungen und Warnzeichen
Häufige, harmlose Reaktionen (10-30%):
- Metallischer Geschmack im Mund
- Leichte Kopfschmerzen
- Muskelschmerzen (besonders Rücken)
- Übelkeit
- Leichte Hautrötung an der Infusionsstelle
Bedenkliche Reaktionen (sofort Arzt informieren):
- Atemnot oder Engegefühl in der Brust
- Hautausschlag oder Juckreiz
- Starke Kopfschmerzen
- Herzrasen
- Schwindel oder Benommenheit
Spätere Warnzeichen (erste Wochen):
- Verschlechterung der Autoimmunerkrankung
- Neue Gelenkschmerzen
- Verstärkte Müdigkeit (paradox, aber möglich)
- Häufige Infekte
- Verdauungsprobleme
Die ersten Wochen nach der Infusion: Was du beachten solltest
Woche 1-2: Die Aufbauphase Dein Körper verteilt das Eisen und baut es in die Zellen ein. Manche Frauen spüren schon nach wenigen Tagen mehr Energie, andere brauchen 2-4 Wochen.
Woche 3-4: Die Wirkung setzt ein Jetzt solltest du deutliche Verbesserungen spüren. Falls nicht, kann das verschiedene Gründe haben:
- Andere Ursachen für deine Symptome
- Zu niedrige Dosierung
- Begleitende Nährstoffmängel
- Bei Autoimmunerkrankungen: versteckte Entzündung
Ab Woche 4: Kontrolle und Bewertung Laborwerte kontrollieren:
- Ferritin (Ziel: 100-200 µg/l)
- Transferrinsättigung (Ziel: 20-45%)
- Hämoglobin
- Bei Autoimmunerkrankungen: spezifische Marker
Begleitende Maßnahmen für optimale Wirkung
Antioxidantien-Schutz (besonders wichtig bei Autoimmunerkrankungen):
- Vitamin C: 1000mg täglich
- Vitamin E: 400 I.E. täglich
- Selen: 200µg täglich
- Glutathion oder N-Acetylcystein
- Alpha-Liponsäure: 300mg täglich
Cofaktoren für optimale Eisenverwertung:
- Vitamin B12: 500-1000µg täglich
- Folsäure: 400-800µg täglich
- Kupfer: 1-2mg täglich (nicht bei Morbus Wilson!)
- Vitamin A: 5000 I.E. täglich
Darmgesundheit:
- Probiotika (besonders Lactobacillus plantarum)
- Präbiotika (resistente Stärke, Inulin)
- L-Glutamin für die Darmschleimhaut
- Omega-3-Fettsäuren gegen Entzündungen
Wann du keine Eiseninfusion bekommen solltest
Absolute Kontraindikationen:
- Eisenüberladung (Hämochromatose)
- Akute Infektionen oder Fieber
- Schwere Leberfunktionsstörungen
- Allergie gegen das spezifische Präparat
Relative Kontraindikationen (Nutzen-Risiko abwägen):
- Aktive Autoimmunerkrankung mit hoher Krankheitsaktivität
- Chronische Infektionen
- Ferritin über 300 µg/l
- Schwere Herzinsuffizienz
- Schwangerschaft (nur bei vitaler Indikation)
Alternative Strategien wenn Infusionen nicht möglich sind
Liposomales Eisen: Bessere Verträglichkeit als herkömmliche Tabletten, höhere Bioverfügbarkeit. Besonders geeignet bei leichten Darmproblemen.
Eisenbisglycinat: Chelatierte Form mit guter Verträglichkeit. Wird oft besser aufgenommen als Eisensulfat.
Lactoferrin: Natürliches eisenbindendes Protein mit antimikrobiellen Eigenschaften. Gut geeignet bei chronischen Infektionen.
Ursächliche Behandlung:
- Starke Blutungen behandeln (Hormone, Spirale, Myomtherapie)
- Darmgesundheit optimieren
- Chronische Entzündungen reduzieren
- Magensäureproduktion unterstützen
Langfristige Strategien: Wie du deine Eisenspeicher hältst
Regelmäßige Kontrollen:
- Alle 3-6 Monate Ferritin und Transferrinsättigung
- Bei Autoimmunerkrankungen: alle 3 Monate
- Bei neuen Symptomen: sofortige Kontrolle
Ernährungsoptimierung:
- Häm-Eisen aus Fleisch ist am besten verfügbar, vor allem Leber, Innereien.
- Vitamin C verbessert die Aufnahme von Pflanzeneisen
- Kaffee, Tee, Kakao und Milchprodukte hemmen die Aufnahme
- Phytinsäure in Getreide bindet Eisen
Supplementierung: Nach einer Infusion kannst du versuchen, die Werte mit sanfteren oralen Präparaten zu halten. Start erst 4-6 Wochen nach der Infusion.
Wann du einen spezialisierten Arzt brauchst
Hausarzt/Gynäkologe reicht bei:
- Klarem Eisenmangel ohne Komplikationen
- Gesunden Frauen ohne Autoimmunerkrankungen
- Standarddosierungen
Facharzt (Hämatologie, Rheumatologie) nötig bei:
- Autoimmunerkrankungen
- Unklaren Anämieformen
- Komplexen Eisenstoffwechselstörungen
- Wiederholten Infusionen
Funktionelle Medizin sinnvoll bei:
- Ganzheitlicher Ursachenbehandlung
- Optimierung der Nährstoffversorgung
- Behandlung chronischer Infektionen
- Darmgesundheit
Mythen und Fakten
Mythos: „Eiseninfusionen machen süchtig“ Fakt: Medizinisch unmöglich. Aber ohne Ursachenbehandlung kehrt der Mangel zurück.
Mythos: „Je höher das Ferritin, desto besser“ Fakt: Werte über 300 µg/l können schädlich sein und Entzündungen fördern.
Mythos: „Eiseninfusionen sind gefährlicher als Tabletten“ Fakt: Bei korrekter Durchführung sind schwere Nebenwirkungen seltener als bei oralen Präparaten.
Mythos: „Nach einer Infusion brauche ich nie wieder Eisen“ Fakt: Ohne Ursachenbehandlung kehrt der Mangel meist nach 1-2 Jahren zurück.
Fazit: Eiseninfusionen können Leben verändern – aber nur richtig gemacht
Eiseninfusionen können für Frauen in den Wechseljahren ein echter Gamechanger sein. Sie können dir Energie, Klarheit und Lebensqualität zurückgeben, die du vielleicht schon verloren geglaubt hattest.
Aber sie sind kein Allheilmittel und nicht für jede Frau geeignet. Besonders bei Autoimmunerkrankungen ist Vorsicht geboten. Der Schlüssel liegt in der individuellen Beurteilung, der gründlichen Vorbereitung und der fachkundigen Durchführung.
Lass dich nicht mit einem einfachen „Das ist normal in Ihrem Alter“ abspeisen. Eisenmangel ist behandelbar, und du verdienst es, dich wieder vital und energievoll zu fühlen. Suche dir einen Arzt, der sowohl deine Hormone als auch deinen Eisenstatus ganzheitlich betrachtet.
Medizinischer Disclaimer
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Aufklärung über Eiseninfusionen in den Wechseljahren. Er ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen qualifizierten Arzt.
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