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MTHFR-Mutation: Wenn dein Körper Vitamine nicht richtig nutzen kann –
Besonders kritisch in den Wechseljahren

Kennst du das? Du nimmst seit Jahren gewissenhaft deine Nahrungsergänzungsmittel, achtest auf eine gesunde Ernährung – und trotzdem fühlst du dich müde, gereizt und irgendwie nicht richtig fit? In den Wechseljahren verstärken sich diese Beschwerden oft noch. Ein möglicher Grund könnte eine MTHFR-Mutation sein, von der etwa jede zweite Frau betroffen ist, meist ohne es zu wissen.

Was ist MTHFR und warum ist es so wichtig?

MTHFR steht für Methylen-Tetrahydrofolat-Reduktase – ein sperriger Name für ein Enzym, das eine zentrale Rolle in deinem Stoffwechsel spielt. Stell dir vor, MTHFR ist wie ein Schlüssel, der die Tür zu wichtigen Körperprozessen aufschließt. Dieser „Schlüssel“ wandelt die Folsäure aus deiner Nahrung oder aus Nahrungsergänzungsmitteln in ihre biologisch aktive Form um: das 5-MTHF (5-Methyltetrahydrofolat).

Warum ist das so wichtig? Diese aktive Form von Folsäure ist unverzichtbar für:

  • Den Abbau von Homocystein: Ein Stoffwechselprodukt, das in größeren Mengen deine Blutgefäße und Nerven schädigen kann und somit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht
  • Die Methylierung: Ein fundamentaler Zellschutz- und Entgiftungsprozess, der in jeder deiner Körperzellen abläuft
  • Den Hormonabbau: Besonders den Östrogenabbau, der in den Wechseljahren ohnehin schon herausfordernd ist
  • Den Neurotransmitter-Stoffwechsel: Die Produktion und den Abbau von Botenstoffen wie Serotonin (unser „Glückshormon“) und Dopamin (unser „Antriebshormon“)

Was passiert bei einer MTHFR-Mutation?

Bei etwa 30–50 % der Bevölkerung – also jeder zweiten bis dritten Person – ist das MTHFR-Gen verändert. Das bedeutet nicht, dass du „krank“ bist, sondern dass dein Körper anders arbeitet. Je nach Genvariante (die häufigsten sind C677T und A1298C) kann die Enzymaktivität um 30–70 % reduziert sein. Wichtige Stoffwechselprozesse laufen verzögert oder unvollständig ab.

Besondere Herausforderungen in den Wechseljahren

In den Wechseljahren ist dein Körper besonders auf funktionierende Entgiftungs- und Hormonstoffwechselprozesse angewiesen. Der sinkende Östrogenspiegel bringt bereits viele Veränderungen mit sich – wenn dann noch eine MTHFR-Mutation den Östrogenabbau erschwert, können sich Beschwerden verstärken.

Der gestörte Neurotransmitter-Stoffwechsel: Warum du dich so fühlst, wie du dich fühlst

Bei einer MTHFR-Mutation ist besonders der Neurotransmitter-Stoffwechsel betroffen. Neurotransmitter sind die „Botenstoffe“ deines Gehirns – sie übertragen Informationen zwischen den Nervenzellen und beeinflussen direkt deine Stimmung, deinen Antrieb und dein Wohlbefinden.

Typische Anzeichen eines gestörten Neurotransmitter-Stoffwechsels:

  • Stimmungstiefs und depressive Verstimmungen: Wenn zu wenig Serotonin produziert wird, fehlt dir das Gefühl von Zufriedenheit und innerem Gleichgewicht
  • Reizbarkeit und emotionale Labilität: Kleine Dinge bringen dich schnell aus der Fassung
  • Ängstlichkeit oder innere Unruhe: Ein Gefühl, als würde ständig ein Motor in dir laufen
  • Antriebslosigkeit und Motivationsmangel: Wenn Dopamin fehlt, fällt es schwer, sich zu etwas aufzuraffen
  • Erschöpfung und Stressintoleranz: Du fühlst dich schnell überfordert und brauchst länger zur Erholung
  • Schlafstörungen: Besonders Ein- und Durchschlafprobleme, weil der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört ist

HPU: Wenn noch ein zweites Problem dazukommt

Häufig tritt gemeinsam mit einer MTHFR-Mutation auch eine HPU (Hämopyrrollaktamurie) auf – eine Stoffwechselbesonderheit, die vor allem Frauen betrifft. Bei HPU verliert dein Körper über den Urin wichtige Nährstoffe: Vitamin B6, Zink und Mangan.

Was ist HPU genau? Stell dir vor, dein Körper hat ein „undichtes Fass“ – wichtige Nährstoffe versickern, obwohl du sie eigentlich dringend brauchst. Das erklärt, warum viele betroffene Frauen trotz ausgewogener Ernährung und Nahrungsergänzung unter Mangelerscheinungen leiden.

Typische HPU-Symptome, die sich mit MTHFR-Beschwerden überschneiden:

  • Reizdarm und Verdauungsprobleme
  • Schlafstörungen und morgendliche Müdigkeit
  • Histaminprobleme (Allergien, Unverträglichkeiten)
  • Hormonelle Dysbalancen
  • Schwache Stressresistenz
  • Hautprobleme

Diagnostik: Wie findest du heraus, ob du betroffen bist?

1. Der Gentest: Die eindeutige Antwort

Ein Gentest gibt dir Klarheit über deine MTHFR-Varianten. Du kannst ihn über deinen Arzt oder auch direkt bei spezialisierten Laboren beauftragen. Die Kosten liegen meist zwischen 80–150 Euro und werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen.

Die wichtigsten MTHFR-Varianten:

  • C677T: Betrifft hauptsächlich die Folsäure-Verstoffwechselung
  • A1298C: Beeinträchtigt zusätzlich den Neurotransmitter-Stoffwechsel
  • Compound Heterozygot: Du hast beide Varianten – dann ist die Beeinträchtigung meist stärker

2. Homocystein: Der wichtigste Blutwert

Auch ohne Gentest kannst du Hinweise auf eine MTHFR-Mutation finden. Der wichtigste Indikator ist das Homocystein im Blut.

So interpretierst du deinen Homocystein-Wert:

  • Optimal: unter 8 μmol/l
  • Grenzwertig: 8–10 μmol/l
  • Erhöht: über 10 μmol/l

Besonders verdächtig: Wenn dein Homocystein erhöht ist (> 8 μmol/l), obwohl deine Folsäure- und B12-Werte im Normbereich liegen. Das deutet darauf hin, dass dein Körper diese Vitamine nicht richtig verwerten kann.

3. Vitamin B12 und Methylmalonsäure (MMA)

Ein weiterer wichtiger Baustein der Diagnostik ist die Überprüfung deines B12-Stoffwechsels:

  • Vitamin B12 im Serum: Kann normal oder sogar hoch sein
  • Methylmalonsäure (MMA) im Urin: Ist bei funktionellem B12-Mangel erhöht

Was bedeutet das? Du hast genug B12 „an Bord“, aber dein Körper kann es nicht in die aktive Form (Methyl-B12) umwandeln – ein typisches Zeichen einer MTHFR-Mutation.

4. SAM/SAH-Quotient: Der direkte Methylierungsmarker

Für eine noch präzisere Diagnostik gibt es den SAM/SAH-Quotienten, den nur spezialisierte Labore anbieten:

  • SAM (S-Adenosylmethionin): Die „aktive Methylgruppe“ – je mehr, desto besser läuft die Methylierung
  • SAH (S-Adenosylhomocystein): Die Vorstufe von Homocystein – sollte niedrig sein

Ein gestörter SAM/SAH-Quotient zeigt direkt an, wie gut deine Methylierung funktioniert.

5. HPU-Test: Den Begleiter nicht übersehen

Da HPU häufig zusammen mit MTHFR auftritt, solltest du auch einen HPU-Test machen lassen. Wie funktioniert der HPU-Test? Du sammelst über 24 Stunden deinen Urin in einem speziellen Behälter oder nimmst den ersten Morgenurin nach einer längeren Sammelperiode. Der Test misst spezielle Stoffwechselprodukte (Pyrrole) – genauer gesagt Hämopyrrol und Kryptopyrrol – die bei HPU vermehrt über den Urin ausgeschieden werden. Die Kosten liegen bei etwa 40–60 Euro und werden meist nicht von der Krankenkasse übernommen.

Östrogendominanz: Das unterschätzte Problem in den Wechseljahren

Bei einer MTHFR-Mutation ist die Fähigkeit deines Körpers, Östrogen zu entgiften, deutlich eingeschränkt. Östradiol (das stärkste Östrogen) muss normalerweise schnell abgebaut werden, damit Progesteron in der zweiten Zyklushälfte übernehmen kann. Wenn dieser Abbau gestört ist, entsteht eine Östrogendominanz.

Das passiert bei gestörter Östrogenentgiftung:

  • Östradiol wird nicht effektiv methyliert: Ohne ausreichend Methylgruppen bleibt es länger im Körper aktiv
  • Östrogen-Metabolite bleiben hormonell wirksam: Auch die Abbauprodukte behalten ihre östrogene Wirkung
  • Progesteronmangel wird verstärkt: Das Verhältnis zwischen Östrogen und Progesteron verschiebt sich ungünstig

Typische Anzeichen einer Östrogendominanz in den Wechseljahren:

  • Verstärkte Hitzewallungen und Schweißausbrüche
  • Wassereinlagerungen und Gewichtszunahme (besonders um die Hüften)
  • Brustspannen und empfindliche Brüste
  • Verstärkte PMS-ähnliche Symptome
  • Schlafstörungen und Unruhe
  • Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit

Krebsrisiko und MTHFR: Was du wissen solltest

Eine gestörte Östrogenentgiftung durch MTHFR-Mutation kann das Risiko für hormonabhängige Krebsarten erhöhen. Besonders kritisch: Östrogen-DNA-Addukte können entstehen, wenn Östrogen nicht ordnungsgemäß abgebaut wird.

Schutzfaktoren, die du beeinflussen kannst:

  • Antioxidantien: N-Acetyl-L-Cystein (NAC) und Resveratrol können schädliche Östrogen-DNA-Verbindungen reduzieren
  • Vitamin D: Hat nachweislich protective Effekte gegen Brustkrebs
  • Glutathion-Unterstützung: Durch Selenium, Magnesium und B-Vitamine (besonders B6 und B2)
  • Leberunterstützung: Mariendistel, Löwenzahn und Alpha-Liponsäure

Was kannst du konkret tun?

1. Die richtige Supplementierung

Das solltest du NICHT nehmen:

  • Synthetische Folsäure (oft in herkömmlichen Multivitaminen und Frauenpräparaten enthalten)
  • Cyanocobalamin (die synthetische Form von B12)

Das brauchst du stattdessen:

  • Aktives Folat (5-MTHF): 400–800 µg täglich
  • Methyl-B12: 500–1000 µg täglich
  • Vitamin B6 (P5P): 25–50 mg täglich
  • Zink: 15–25 mg täglich (besonders bei zusätzlicher HPU)
  • Magnesium: 300–400 mg täglich

Warum diese spezielle Form? Bei einer MTHFR-Mutation kann dein Körper die synthetischen Formen nicht richtig umwandeln. Die aktiven Formen können direkt verwendet werden – wie ein Schlüssel, der perfekt ins Schloss passt.

2. Ernährung: Unterstütze deinen Methylierungszyklus

Setze auf folgende Lebensmittel:

  • Grünes Blattgemüse: Spinat, Rucola, Feldsalat – natürliche Folat-Quellen
  • Bittere Kräuter: Löwenzahn, Artischocke, Radicchio – unterstützen die Leberfunktion
  • Schwefelhaltige Gemüse: Brokkoli, Zwiebeln, Knoblauch – fördern die Entgiftung
  • Hochwertige Proteine: Für die Aminosäuren, die dein Methylierungszyklus braucht

Vermeide oder reduziere:

  • Alkohol (hemmt die Methylierung)
  • Übermäßig viel Koffein
  • Stark verarbeitete Lebensmittel mit synthetischen Zusätzen

3. Lifestyle-Faktoren

Stress-Management ist entscheidend: Da dein Neurotransmitter-Stoffwechsel ohnehin beeinträchtigt ist, wirkt sich Stress besonders stark aus. Finde Entspannungstechniken, die zu dir passen – Meditation, Yoga, Spaziergänge in der Natur oder regelmäßige Auszeiten.

Schlafhygiene: Sorge für regelmäßige Schlafzeiten und eine schlaffreundliche Umgebung. Bei MTHFR-Mutation ist erholsamer Schlaf besonders wichtig für die Regeneration.

5. Umweltfaktoren und Xenoöstrogene minimieren

In der zweiten Lebenshälfte ist dein Entgiftungssystem ohnehin stärker belastet. Bei MTHFR-Mutation wird das noch kritischer:

Vermeide Xenoöstrogene (östrogenähnliche Chemikalien):

  • Plastikflaschen (besonders BPA-haltige)
  • Konventionelle Kosmetik mit Parabenen
  • Pestizidbelastete Lebensmittel
  • Reinigungsmittel mit chemischen Zusätzen

Setze auf natürliche Alternativen:

  • Glasflaschen statt Plastik
  • Naturkosmetik ohne Parabene und Phthalate
  • Bio-Lebensmittel, besonders bei den „Dirty Dozen“
  • Natürliche Reinigungsmittel

6. Immunsystem und Entzündungen im Blick behalten

MTHFR-Mutation kann auch dein Immunsystem beeinträchtigen, da Methylgruppen für die Immunfunktion essentiell sind. Das kann zu stillen Entzündungen und erhöhter Autoimmun-Anfälligkeit führen.

Entzündungsmarker, die du checken lassen solltest:

  • CRP (C-reaktives Protein)
  • Ferritin (kann bei Entzündungen erhöht sein)
  • Vitamin D3 (Immunmodulator)
  • Omega-3-Index (Verhältnis zu Omega-6)

7. Die Schilddrüse nicht vergessen

In den Wechseljahren ist die Schilddrüse oft zusätzlich belastet. Bei MTHFR-Mutation können Schilddrüsenhormone schlechter konvertiert werden.

Wichtige Schilddrüsenwerte:

  • TSH, fT3, fT4 (nicht nur TSH!)
  • Reverse T3 (rT3) – das „inaktive“ Schilddrüsenhormon
  • Schilddrüsen-Antikörper (TPO-AK, TG-AK)
  • Jod- und Selenstatus

Fruchtbarkeit und Schwangerschaftsgeschichte: Rückblickende Hinweise

Auch wenn das Thema Schwangerschaft in den Wechseljahren meist abgeschlossen ist, kann deine reproduktive Vergangenheit wichtige Hinweise auf eine MTHFR-Mutation geben:

Typische Anzeichen in der Reproduktionsgeschichte:

  • Wiederholte Fehlgeburten (besonders in den ersten 12 Wochen)
  • Schwierigkeiten beim Schwangerwerden trotz gesunder Partner
  • Neuralrohrdefekte bei Kindern
  • Präeklampsie oder Schwangerschaftsdiabetes
  • Kinder mit Entwicklungsstörungen oder ADHS

Warum ist das relevant? Diese Informationen können deinem Arzt helfen, das Gesamtbild zu verstehen und zu erklären, warum bestimmte Probleme aufgetreten sind.

Medikamentenverträglichkeit: Was du beachten solltest

Menschen mit MTHFR-Mutation reagieren oft anders auf Medikamente, besonders auf solche, die den Folsäure-Stoffwechsel beeinflussen:

Problematische Medikamente:

  • Methotrexat (bei Rheuma oder Krebs)
  • Antiepileptika wie Phenytoin
  • Bestimmte Antidepressiva
  • Nitrous Oxide (Lachgas bei Operationen)

Was du tun kannst:

  • Informiere immer deine Ärzte über deine MTHFR-Mutation
  • Bitte um alternative Medikamente, wenn möglich
  • Lass bei längerer Medikamenteneinnahme regelmäßig dein Homocystein kontrollieren

Besondere Aufmerksamkeit in den Wechseljahren

In den Wechseljahren sind einige Punkte besonders wichtig:

Timing der Menopause: Interessant ist, dass MTHFR-Mutationen sogar den Zeitpunkt der natürlichen Menopause beeinflussen können. Forschung zeigt komplexe Wechselwirkungen zwischen verschiedenen MTHFR-Varianten und Lifestyle-Faktoren.

Hormonersatztherapie (HRT) und MTHFR: Wenn du eine Hormonersatztherapie in Erwägung ziehst, ist es wichtig, dass dein Arzt über deine MTHFR-Mutation Bescheid weiß. Die Entgiftung der zugeführten Hormone könnte erschwert sein, was die Dosierung und Form der HRT beeinflussen kann.

Knochenstärke: Ein erhöhter Homocysteinspiegel kann die Knochengesundheit beeinträchtigen. Sorge für ausreichend Vitamin D, Kalzium und Magnesium.

Herzgesundheit: Homocystein ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Regelmäßige Kontrollen und eine herzgesunde Lebensweise sind wichtig.

Der Weg zu mehr Wohlbefinden

Eine MTHFR-Mutation ist kein Todesurteil, sondern eine Information über deinen individuellen Stoffwechsel. Mit dem richtigen Wissen und gezielten Maßnahmen kannst du vielen Beschwerden vorbeugen oder sie deutlich lindern.

Dein nächster Schritt: Lass dein Homocystein bestimmen und sprich mit einem Arzt oder Therapeuten, der sich mit funktioneller Medizin auskennt. Denn du verdienst es, dich in deiner zweiten Lebenshälfte vital und ausgeglichen zu fühlen – trotz oder gerade wegen deiner genetischen Besonderheiten.

Denk daran: Jeder Körper ist anders. Was bei anderen funktioniert, muss nicht automatisch auch für dich passen. Höre auf deinen Körper, sei geduldig mit dir und lass dich professionell begleiten auf dem Weg zu mehr Wohlbefinden.

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